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norbert beier-xanke

peter weibel

kunst und museum
peter weibel, künstler und leiter des zkm (zentrum für kunst und medientechnologie) karlsruhe
(auszüge aus einem interview von roland berg, tagesspiegel, 12.01.2000)


"die kunst braucht die einbindungen. es gibt marktbezogene kunst und die kunst der offenen handlungsfelder. deren ergebnisse kann man nicht vermarkten. deshalb muss die gesellschaft bereit sein, ihnen einen ... institutionellen rahmen zu geben. es gibt gerade im bereich der avantgarde viele kunstpraktiken, die nicht marktfähig sind, sozusagen grundlagenkunst. diese muss wie die grundlagenforschung von der gesellschaft basisfinanziert werden. das zkm ist gleichsam das max-planck-institut für avantgarde-kunst.

die
aufgabe der kunst besteht darin, türen zu öffnen, wo sie keiner sieht. der künstler hält optionale handlungsfelder offen - als kritischer spiegel oder utopisches reservoir. die gesellschaft schafft sich in galerien und museen mit der kunst einen institutionellen rahmen, wo andere produktionsweisen und weltsichten möglich sind. dort sammelt sich kritisches potenzial, mit dem gängige gesellschaftliche institutionen untersucht beziehungsweise transformiert werden.

der großteil der kunst ist ...zuständig für gefühlskitsch und die nostalgische erinnerung an vergangene produktionsformen. mich interessiert dagegen die
kritische kunst. auch sie hat unsichtbare grenzen. eine bank in berlin zum beispiel leistet sich gleichzeitig einen kunstraum, in dem ein kritischer künstler auftritt. die gesellschaft läßt kritik in einem ghetto also zu. kunst selber muss jedoch ein feld offener praxis werden, wo sie die unsichtbaren grenzen zu überschreiten versucht.

ich suche mir in der hauptsache künstler aus, die progressive ansätze der sechziger und siebziger jahre
unter neuen bedingungen fortsetzen. das neue verdrängt das alte nicht. im gegenteil: das neue ermöglicht die wiederkehr des alten, weil nur durch den blick nach hinten etwas entsteht, was man tradition nennen kann. el grecos expressionismus ist zum beispiel erst im 20. jahrhundert erkannt worden. auch die berühmten schwarzen bilder von goya waren im 19. jahrhundert geradezu unverkäuflich.

die technischen medien erlauben uns, ein besseres modell von der realen welt zu schaffen... in zukunft müssen wir versuchen, die vorteile der alten und neuen medien zu vereinen...

der künstler soll die
technischen errungenschaften der militärischen, industriellen und kommerziellen welt rezivilisieren. mehr denn je bedarf die gesellschaft des künstlers, der gegen monopole vorgeht, damit nicht nur firmenkonglomerate ... an der konstruktion der wirklichkeit teilhaben. wenn ich entwicklung einfordere, richte ich mich an eine "cultural community", einen mix von technikern, freaks, hackern und künstlern."